Milton-Modell

von | Januar 24, 2018

Das Milton-Modell beruht auf den Beobachtungen Richard Bandlers und John Grinders von der Arbeit Milton H. Ericksons. Dieser war ein amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut und gilt als einer der Mitbegründer der modernen Hypnose. Bandler und Grinder modellierten seine Art der Verwendung der Sprache.

Im Milton-Modell wird beschrieben, welche Sprachmuster Erickson zur Verfügung standen und in welchem Kontext er diese anwendete. Diese Sprachmuster wurden später das Merkmal der hypnotischen Kommunikation.

Erickson ließ dem Klienten durch seine Offenheit und Ungenauigkeit der Sprache viel Raum für eigene Assoziationen, Gedanken, Bilder und Gefühle. Der Zuhörer ist dazu gezwungen, fehlende Informationen selbst zu imaginieren.

Die Bedeutung des Gesprochenen wird vom Unterbewusstseins des Zuhörers selbst bestimmt, was Prozesse in Gang bringt oder verarbeiten lässt.

 

Struktur des Milton-Modells

Im Milton-Modell werden gezielt Tilgungen, semantische Fehlgeformtheiten, Verallgemeinerungen, Präsuppositionen, indirekte Auslöser und Metaphern (Geschichten) verwendet, um den Inhalt des Gesprochenen zu reduzieren. Der Abgleich sowie die Umsetzung der Suggestionen werden dabei vom Unterbewussten des Klienten/der Klientin durchgeführt. Die einzelnen Subvarianten werden in diesem Skriptum in aller Kürze skizziert und umfassen nur einen winzigen Teil der tatsächlichen Finesse des Milton’schen Sprachmusters. Für vertiefendes Fachwissen sei auf die einschlägige Literatur verwiesen.

Das Milton-Modell besteht aus 20 Mustern. 12 davon kennst du schon aus dem Metamodell.

 

Nominalisierungen (nominalisations)

Unbestimmte Hauptwörter. Sie können je nach Kontext, Wahrnehmungsfiltern, Erziehung etc. von Menschen anders interpretiert werden.

Beispiele: Freiheit, Liebe, Glück, Freude etc. bedeutet für jedes Individuum etwas anderes.

  1. B. „Wie fühlt es sich an, die Freiheit eines angenehm tiefen Atemzuges zu erleben?“

 

Unspezifische Verben (unspecified verbs)

Beschreiben eine Tätigkeit niemals zur Gänze. Um den Sinn eines Satzes zu erfassen, muss der Hörer die Bedeutung selbst einfügen.

Beispiele: tun, wissen, verstehen, entspannen etc.

  1. B. „Und genauso, wie du es jetzt gerade tust, machst du alles genau richtig.“

 

Fehlender Bezug (lack of Referential Index)

Ein unidentifiziertes Pronomen. Das Hauptwort, auf welches der Satz Bezug nimmt, wird nicht näher beschrieben.

Beispiele: man, das, du, Sie

  1. B. „Man kann sich jederzeit weiter entspannen.“ / „Sie lassen dich besonders wohlfühlen.“

 

Vergleichstilgung (comparative deletions)

Bei einem unvollständigen Vergleich muss der Hörer selbst den Vergleich vollenden.

Beispiel: besser als, weniger, mehr, weiter

  1. B. „Und wenn du es dir erlaubst, kannst du dich immer mehr entspannen.“

 

Verknüpfungen (conjunctions)

Sätze oder Wörter werden über Bindewörter miteinander verknüpft.

Beispiele: Verknüpfungen mit „und, während, indem, je … desto“ etc.

  1. B. „Während du einen tiefen Atemzug nimmst, beginnen sich deine Muskeln langsam zu entspannen.“

 

Gedankenlesen (mind read)

Es werden Behauptungen aufgestellt, die ausdrücken, dass der Hypnotiseur über die Gedanken des Klienten Bescheid weiß.

  1. B. „Du fragst dich, wie intensiv diese neue Erfahrung für dich heute sein kann.“ / „Ich weiß, dass du neugierig bist darauf, wohin dich deine Reise nun führen wird.“

 

Universelle Mengenangaben (universal quantifiers)

sind Wörter, die eine universelle Generalisierung und keinen Bezugsindex aufweisen. Es sind Wörter wie „jeder, alle, immer, nie“ etc.

  1. B. „Mit jedem Atemzug kann es dir immer leichter fallen, dich noch weiter zu entspannen.“

 

Modaloperatoren (modal operators)

Verändern den Inhalt eines anderen Verbs, sie beziehen sich entweder auf Möglichkeiten (Beispiel: dürfen, können) oder Notwendigkeiten (Beispiel: müssen, sollen).

  1. B. „Und deine Muskeln können sich mit jedem Atemzug weiter entspannen.“

 

Vorannahmen (Präsuppositionen)

linguistische Vorannahmen, welche bereits in der Aussage etwas implizieren

  1. B. „Und ich frage mich, in welchem Teil deines Körpers du dieses angenehme Gefühl der Entspannung am meisten spürst“ / „Du darfst es dir erlauben, die angenehmen Gefühle, welche du vielleicht jetzt schon wahrnehmen kannst, intensiver werden zu lassen.“ / „Kannst du wahrnehmen, wie leicht es ist, sich immer weiter in diesen angenehmen Zustand zu begeben?“ / „Und während deine Augen diese Buchstaben lesen, kann es auch deinem Geist immer leichter fallen, in einen angenehm entspannten Zustand überzugehen.“

 

Ursache-Wirkung (Cause-effect)

Es wird impliziert, dass eine Sache die nächste verursacht.

Beispiele: „weil, aufgrund dessen, wenn, dann, während du“ etc.

  1. B. „Und weil du dich so entspannt fühlst, kannst du jetzt neue Erfahrungen machen.“ / „Während du meiner Stimme lauschst, merkst du, wie sich deine Gefühle verändern.“ (implizite Ursache-Wirkungs-Beziehung mit „während“)

 

Komplexe Äquivalenz (complex equivalence)

Zwei Aussagen werden in ihrer Bedeutung gleichgesetzt.

Beispiel: „das bedeutet, ist“

  1. B. „Das bedeutet, sich diesen angenehmen Gefühlen hinzugeben, ist einfach.“

 

Verlorener Sprecher (lost performative)

Es wird eine wertende Behauptung aufgestellt, ohne die bewertende Instanz zu benennen.

Beispiele: „es ist gut, es ist besser“ etc.

  1. B. „Du entspannst dich weiter und es ist gut, wie es ist.“

 

Eingebettete Befehle/Vorschläge (embedded commands)

Hier werden direktive Suggestionen direkt in einen Satz eingebaut, diese können auch speziell betont („markiert“) werden.

  1. B. „Meine Stimme kann dich jetzt dabei begleiten, dir eine Vorstellung davon zu machen, wie du dich entspannst.“ / „Manche Menschen gehen noch ein wenig tiefer in Trance und hören genau zu.“ (Letzteres Beispiel kann auch als Element der Konfusion gezählt werden.)

 

Bestätigungsfragen (tag question)

geschlossene Frage nach einer Aussage

  1. B. „Es fühlt sich angenehm an, nicht wahr?“ / „Es ist gut, sich so zu entspannen, oder?“

 

Scheinalternativen (illusion of choice)

Ein Vorschlag bzw. eine Suggestion kann so formuliert werden, dass sich der Zuhörer scheinbar zwischen zwei Alternativen entscheiden kann, das eigentliche Endergebnis steht allerdings schon fest.

  1. B. „Willst du dich im Liegen oder im Sitzen entspannen?“

 

Suggestivfragen (conversational postulate)

Eine mit Ja oder Nein zu beantwortende Frage wird so formuliert, dass diese wie ein Vorschlag klingt, ohne dabei zu autoritär zu wirken.

  1. B. „Du kannst dich hier, an diesem Ort, gut entspannen?“

 

Weitreichende Zitate/indirekter Bezug (extended quotes)

Beim indirekten Bezug können Geschichten, Metaphern und auch Suggestionen über andere Menschen oder Objekte erzählt werden, diese haben scheinbar mit dem Klienten keinen Bezug, und dennoch wirken die Metaphern und Suggestionen, welche hier verpackt sind. Diese Technik beruht auf Milton Ericksons „My friend Joe“-Technik, in welche er lange Geschichten über einen vermeintlichen Jugendfreund namens Joe erzählt hatte.

  1. B. „Letztens hatte ich einen Klienten, dessen Bekannter hatte ein ähnliches Anliegen wie du heute, und der Klient hat mir erzählt, dass sein Bekannter in dieser Situation eines Nachts einen interessanten Traum gehabt hatte, und in diesem Traum, so hat mir mein Klient erzählt, konnte sein Bekannter plötzlich neue Dinge wahrnehmen, welche er zuvor noch nie bedacht hatte, und es war, als würde ihm eine Eingebung plötzlich einen neuen Weg aufzeigen.“

 

Objektbeziehung (selectional restrictional violation)

Es wird impliziert, dass ein Objekt ähnliche Reaktionen/Gefühle etc. empfinden kann wie ein Mensch.

  1. B. „Du kannst jetzt mit deinem Stuhl, auf welchem du sitzt, gemeinsam auf eine entspannte und interessante Reise gehen.“

 

Analoges Markieren (analogical marking)

Es können bestimmte Teile eines Satzes oder einer Aussage besonders markiert werden. Ein Beispiel wäre es, bestimmte Aussagen eines Satzes anders zu betonen, es könnte auch während einer Aussage direkt auf eine Person gezeigt oder angesehen werden.

  1. B. „Hier und jetzt, in diesem Raum, in dem alles so eingerichtet ist, dass du dich besonders wohl fühlst, kannst du dieses angenehme Gefühl verstauen und du weißt, dass es für dich da ist und wird dich stärken, wenn du es benötigst.“

Durch die unterschiedliche Betonung der Worte in diesem Satz kann eine weitere „Message“ verpackt sein. Würdest du dies während einer Gruppentrance anleiten, könntest du bestimmte Leute direkt anschauen oder beiläufig hindeuten.

 

Ambiguitäten (Mehrdeutigkeiten)

Es gibt hier mehrere linguistische Kategorien der Ambiguitäten, die wir uns während der Hypnose zunutze machen können. Da diese aus dem Englischen heraus übersetzt werden, empfiehlt es sich, selbst zusätzliche Beispiele aus dem Deutschen zu finden. Für eine vollständige Auflistung der unterschiedlichen Formen von Ambiguitäten empfiehlt es sich, einschlägige linguistische Fachliteratur zu lesen. Hier wird eine Auswahl der wesentlichsten Kategorien gegeben.

 

Phonologische Ambiguitäten: Wörter, die sehr ähnlich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben (siehe Beispiel aus dem nachfolgenden Kapitel „Meer/mehr“, aus dem Englischen „here/hear“)

 

Syntaktische Ambiguitäten: Die Bedeutung eines Wortes kann nicht hundertprozentig einem Kontext zugeordnet werden (z. B. „Das Fühlen der Hand“; es kann das Gefühl der Hand oder das Gefühl der Hand gemeint sein)

 

Interpunktion: Wörter am Satzende werden gleichzeitig als Beginn des darauffolgenden Satzes verwendet (z. B. „Atme tief ein und aus – atmen ist entspannend.“)

12 dieser 20 Modelle findest du übrigens auch im Metamodell wieder.

Quellen: http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Milton_Modell_der_Sprache

Teilnehmerstimmen

Das Seminar hat mich persönlich weitergebracht.

- Johannes, H.

Referenzen

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