Ankern

von | Dezember 30, 2017

Das Ankern wird oft mit dem psychologischen Konzept der „klassischen Konditionierung“ verglichen. Ein sehr bekanntes empirisches Experiment dazu machte der russische Psychologe Iwan Pawlow mit Zwingerhunden.

Er beobachtete, dass Hunde bei der Einnahme von Futter erhöhten Speichelfluss hatten. Das ist eine normale physiologische Reaktion, so wie sie auch bei Menschen vorkommt, und soweit nichts Neues. Die neue Erkenntnis war jedoch, dass dieser Speichelfluss auch bei auditiven Reizen auftrat, wenn diese in direktem Zusammenhang mit der Futterverabreichung standen.

Kurz gesagt: Pawlow läutete jedes Mal eine Glocke, kurz bevor er den Hunden Futter gab, und beobachtete den Speichelfluss. Nach unzähligen Wiederholungen ließ er das Futter einfach weg und bemerkte, dass schon das Läuten der Glocke den Speichelfluss hervorrief.

Es wurde also ein neuer Stimulus als Reiz konditioniert, auf den als Reaktion vermehrter Speichelfluss folgte. Somit beschreibt die klassische Konditionierung ein Reiz-Reaktions-Muster.

Auch das Ankern ist ein Reiz-Reaktions-Muster, bei dem auf einen visuellen, auditiven, kinästhetischen, olfaktorischen oder gustatorischen (VAKOG) Reiz eine gewisse Reaktion programmiert werden kann.

Der große Unterschied zwischen Ankern und klassischer Konditionierung besteht allerdings darin, dass bei letzterem sehr viele Wiederholungen notwendig sind, um den Reiz mit der Reaktion zu verknüpfen. Beim Ankern hingegen kann dies schon nach einer oder wenigen Wiederholungen geschehen. Das hängt vor allem mit der emotionalen Bindung zusammen. Generell kann gesagt werden, je stärker die Emotion, desto weniger Wiederholungen sind notwendig.

Anker sind ganz natürlich und jeder Mensch hat unzählige davon. Wenn du beispielsweise ein bestimmtes Parfüm riechst oder ein Lied im Radio hörst, erinnerst du dich vielleicht automatisch an eine Person und damit verbundene starke Emotionen. Jedes Paar hat z. B. dieses eine Lied, bei dem man sich sofort an den ersten Tanz oder ersten Kuss erinnert. Oder der Zimtgeruch zu Weihnachten, der einem sofort gewisse Bilder und Gefühle beschert. Beispiele wie diese gibt es unzählige, und allesamt sind sie natürliche Beispiele für Anker in unserem täglichen Leben.

Bandler und Grinder haben dieses Phänomen in den 70er-Jahren beobachtet und mit dem Ankern eine Technik entwickelt, bei der man derartige Reiz-Reaktions-Ketten auch bewusst erzeugen kann.

Dabei wird eine Reaktion oder Emotion eines Menschen auf dem Höhepunkt der Intensität mit einem neuen Reiz (z. B. Berührung an einer bestimmten Stelle) verbunden. Nach erfolgreicher und wiederholter Durchführung ist dieser Reiz mit der jeweiligen Emotion oder Reaktion verbunden. Löst man diesen Reiz nach dem Ankern aus, so wird automatisch die verankerte Emotion oder Reaktion hervorgerufen.

So kann z. B. durch das Ankern guter Gefühle ein Klient dazu gebracht werden, durch eine Berührung an einer bestimmten Stelle zu lachen. Wir können jeden Reiz, den wir mit einem unserer 5 Sinne wahrnehmen, als Anker nutzen. So kann der Anker sowohl eine Berührung an einer bestimmten Stelle als auch ein Geruch, ein Ton oder ein Wort sein.

Ist der Anker erst einmal gesetzt, kann dieser dann in bestimmten Situation wieder hervorgerufen werden.

Natürlich hält dieser Anker nicht für immer, also würde die Person nicht für ihr Leben lang auf die Berührung an der Schulter mit Lachen reagieren. Soll der Anker für einen längeren Zeitraum erhalten bleiben, muss man ihn pflegen, also immer wieder Reiz und Emotion bewusst hervorrufen, um den Anker in einer gewünschten Situation auch nutzen zu können.

Die Abfolge beim Ankern sieht folgendermaßen aus:

  1. Die gewünschte Reaktion des Klienten hervorrufen (durch VAKOG, Fragen oder andere Auslöser).
  2. Kurz vor dem Höhepunkt der Reaktion den Anker „setzen“.
  3. Schritte 1 und 2 wiederholen, bis du das Gefühl hast, dass dein Klient gut auf den Anker reagiert.
  4. Eine Separator-Frage stellen („Kennst du ein gutes Spätzle-Rezept?“). Diese hat nur den Zweck, dein Gegenüber aus dem Gefühl zu holen. Du könntest auch Hampelmänner machen.
  5. Danach wieder Anker auslösen. Ist die Reaktion wie gewünscht, bist du fertig, sonst zurück zu Schritt 1.

 

Anker kannst du dann in schwierigen Situationen betätigen, in denen du gute Gefühle brauchst. So kann man beispielsweise einen Ruheanker auslösen, bevor man eine Präsentation hält, vor der man sehr nervös ist.

Oder aber auch einen Motivationsanker, wenn einem am Abend die Couch gefangen nimmt und man eigentlich ins Fitnessstudio gehen sollte.

Überall da, wo du gerne einen anderen Gefühlszustand hättest, sind Anker nützlich, um diesen zu erreichen.

TIGER

Natürlich müssen beim Ankern einige Dinge beachtet werden, um diesen später effektiv nutzen zu können. Das Wort TIGER besteht aus den Anfangsbuchstaben der fünf wichtigen Kriterien für erfolgreiches Ankern.

  • Timing: Achte darauf, den Anker zum richtigen Zeitpunkt zu setzen, also am Höhepunkt oder kurz davor.
  • Intensität: Die Emotion oder Reaktion soll so intensiv wie möglich erlebt werden. Je intensiver, desto besser der Anker. Durch Veränderung oder Verstärkung der Submodalitäten kann die Intensität noch erhöht werden.
  • Genauigkeit: Achte darauf, den Anker immer an genau derselben Stelle zu setzen.
  • Einzigartigkeit: Auf einer Stelle sollte nur ein Zustand geankert werden, damit der Anker nicht mit anderen Zuständen verwischt und somit nutzlos wird.
  • Reinheit: Achte darauf, nur einen einzelnen Zustand zu ankern. Falls der gewünschte Zustand nicht ganz klar ist, nochmal nachfragen. Wenn beispielsweise Freude geankert werden soll, dann nur diesen Zustand und nicht gemeinsam mit anderen wie z. B. Motivation oder Glück, auch wenn sich diese zunächst ähnlich anfühlen.

Anker verschmelzen

Anker verschmelzen ist vor allem dafür gedacht, um ressourcenarme Zustände mit ressourcenvollen zu überlagern und so das Gegenüber daran zu hindern, in den ressourcenarmen Zustand zu kommen.

  1. Ankere ressourcenvollen Zustand auf einer Körperseite (z. B. Knie, Ellbogen, Handrücken)
  2. Separator
  3. Teste ressourcenvollen Anker
  4. Separator
  5. Ankere ressourcenarmen Zustand auf gegenüberliegender Körperstelle
  6. Separator
  7. Test
  8. Separator
  9. Drücke ressourcenvollen Anker und drücke danach den ressourcenarmen Anker. Halte dabei den ressourcenvollen, sodass beide Anker zu selben Zeit gedrückt sind. Beachte: ein ressourcenvoller Anker sollte stärker sein als ein ressourcenarmer!

Erweiterung:

Punkt 1 bis 9 bleiben gleich:

  1. Lasse dann beide Anker los.
  2. Sage nun deinem Gegenüber, er/sie solle sich in den ressourcenarmen Zustand hineinversetzen, und drücke den ressourcenvollen Anker.
  3. Mache nun das Gegenteil, indem du den ressoucenvollen Zustand vorstellen lässt und dabei den ressourcenarmen Anker drückst.
  4. Wechsle nun in beliebiger Reihenfolge die Anweisungen und die Anker durch.

Ziel: Irritation und Überforderung beim Klienten.

Intention: Klient schafft es nicht mehr, in den ressourcenarmen Zustand zu kommen.

Teilnehmerstimmen

Dank des Seminars sehe ich Sprache mit anderen Augen und habe ein neues Verständnis dafür gewonnen, was ich mit der Kraft der Gedanken alles erreichen kann.

- Daniela, P.

Referenzen

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